Grußwort Prof. Dr.-Ing wolfgang bleck

Leiter des Instituts für Eisenhüttenkunde, RWTH Aachen


Die Herstellung von Metallen gehört zu den ältesten Kulturtechniken der Menschheit; sie ist der Grundstoff für zahlreiche Mythen. Die Metamorphose eines Erzes in ein glänzendes, klingendes Metall fasziniert seit seiner vermutlich zufälligen Entdeckung – im Umfeld des Töpferns – bis heute. Die Geschichte der Eisengewinnung ist vielleicht 4 Jahrtausende alt, aber erst seit etwa 3 Jahrhunderten werden metallurgische Prozessschritte mit wissenschaftlichen Methoden untersucht. Davor war es die Erfahrungsweitergabe innerhalb von Familien und Dorfgemeinschaften, die die Tradition bewahrte und weiterentwickelte.

 

 

Der Schmied und Künstler Andreas Rimkus entwickelt Projekte im Umfeld von Kunst und Technik, nicht nur in unserer europäischen, der handwerklichen Arbeit eher entfremdeten Gesellschaft, sondern auch in den traditionellen Erfahrungswelten der ärmeren afrikanischen Staaten. Die Sammlung von in der Umgebung vorhandenen Rohstoffen, der Aufbau einer einfachen Verfahrenstechnik zur Eisengewinnung mit den begrenzten Mitteln einer dörflichen Gemeinschaft und schließlich die Veredlung des Roheisens durch Schmieden und Wärmebehandlung ist ein technischer und ein kultureller Prozess zugleich. Nur die wohl abgestimmte Zusammenarbeit vieler Beteiligter ermöglicht ihn.

 

 

Die Geschichte einer Dorfgemeinschaft in Burkina Faso mutet an wie ein modernes Märchen. Aber nicht der Rattenfänger von Hameln sondern ein Schmiedekünstler aus Springe (nicht weit von Hameln entfernt) kommt ins Dorf, spricht mit den Ältesten und begeistert die Gemeinschaft zu einem großen Projekt: der Herstellung eines traditionellen Rennofens. Diese identitätsstiftende Arbeit in einem Dorf ist gleichzeitig ein vom Auswärtigem Amt gefördertes Projekt, das alte Kulturtechniken aufgreift, vor Ort in einem kleinen Museum dokumentiert und somit einen Beitrag zur Technikgeschichte in Afrika leistet. Gleichzeitig ist dies auch ein Teil unserer Technikgeschichte; denn schließlich war der Ursprung der Metallerzeugung bei uns allen, ob wir nur in Burkina Faso oder in Deutschland leben, gleich. Es war die Neugier, die Suche nach dem Besonderen, die Suche nach der Verbesserung der Welt, die uns antrieben und letztendlich Techniken hervorbrachte, die eine höhere Stufe des Lebens ermöglichten und somit auch eine Grundlage der kulturellen Entwicklung darstellten.

 

 

Ein Hammer mit zwei Köpfen als Kunstobjekt; eine Gemeinschaftserfahrung, die für zukünftige Generationen dokumentiert ist; eine Mut-machende Aktion, die Kommunikation fördert und zum Nachdenken anregt – das alles belegt, dass Technik, Kunst und Kultur im Schmieden gefunden werden können. Man braucht einen Visionär wie Andreas Rimkus, um dieses aufzuzeigen.

 

 

 Wolfgang Bleck

 

 Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Bleck


Folgende Bilder zeigen Teile der ersten Luppe aus dem Dorf Paradeé unter dem Elektonenmikroskop der RWTH Aachen.

Nach der Präparation zeigt sich folgendes Bild: Im polierten Zustand erkennt man zahlreiche Poren

Auffallend ist, dass keinerlei Oxide vorhanden sind, außer der Verzunderung am Rand

Nur an einer Stelle sind Sulfide vorhanden, die recht seltenen FeS, die sich nur bilden, wenn keinerlei Mangan im Eisen vorhanden ist

Nach dem Ätzen zeigt die Probe sehr unterschiedliche Zonen

Diese resultieren aus extrem differierendem C-Gehalt. Das reicht von Ferrit mit wenigen Karbiden...

über körnigem Perlit neben Ferrit mit Sekundärzementit...

bis hin zu reinen Zementitnadeln im Perlit.

Es gibt Bereiche mit einem Eutektikum, die Farbe erinnert an Phosphideutektikum Fe3P. Das Material hat eine beschleunigte Abkühlung erfahren, kenntlich an der Widmannstätten-Anordnung fast aller Bereiche.

 

Robert Gier

Kontakt

KulturFeuerStiftung

Andreas Rimkus

Weg zur Kunst 2
31832 Springe
Deutschland
+49 (0) 5041-61655