Das Feuer bewahren

Das Dorf des Eisens: Paradé

In einem ersten Schritt bauten die Bewohner von Paradé in den Jahren 2013-2014 einen Rennofen zur Eisenerzeugung. Dieser Ofen ist etwas ganz Besonderes: Es handelt sich um einen unterirdischen Rennofen, in dem die Hitze nicht wie üblich per Blasebalg, sondern mit einem Kamineffekt mittels Luftdüsen erzeugt wird. Diese Art des Ofens mit seiner besondern Funktionsweise ist nicht einmal im Rest des Landes Burkina Faso bekannt.

 

Bei der Reduktion des Erzes im Rennofen entsteht ein schwammartiger Eisenbrocken, die sogenannte Luppe. Hierfür wird das Erz in der Nähe des Dorfes gewonnen, zerkleinert und mit Holzkohle vermischt. Damit wird der Ofen beschickt. Zum ersten Anzünden und Erzeugen der Glut im Ofen wird Stroh verwendet. Lehm wird angerührt, um den Ofen zu verschließen und die Luftdüsen einzumauern. Ist genügend Glut erzeugt, wird eine erste Schicht Holzkohle eingeführt. Nach einer alten „Zauberformel“ werden drei Handvoll Eisenerz und eine bestimmte Menge Kohle vermischt und in den Ofen gegeben. Dann wird der Ofen verschlossen. Einen ganzen Tag dauert es, bis die erste Charge Eisen entnommen werden kann.

Eine einzigartige Schmiede in Ouri...

Das Schmieden des so auf traditionelle Weise gewonnenen Eisens erfolgt im Dorf Ouri, wo sich eine ganz besondere Hammerschmiede befindet. Hier wird das Eisen nach ebenso alter Tradition geschmiedet wie es zuvor gewonnen wurde. Das handballfeldgroße Areal der Schmiede beherbergt 20 Schmiedestellen, an denen jeweils vier Männer arbeiten können.

 

Um die Luppe zum Schmieden vorzubereiten, wird aus einem Lehm-Baumwollgemisch ein Klumpen geformt. Der wird zwei Tage lang in die Sonne zum Trocknen gelegt. Danach wird das so eingeschlossene Eisen in der Esse auf Schweißtemperatur erhitzt. So wird verhindert, dass die Luppe beim Schmieden mit dem Sauerstoff der Luft in Berührung kommt und zerfällt. Dass das so gemacht wird, wusste nur noch der Chef des Dorfes, geboren 1928.

 

 

Das Schmiedefeuer wird mit einem Blasebalg geschürt. Die Männer wechseln sich dabei ab, denn länger als zehn Minuten ist das Tempo nicht durchzuhalten. Das Eisen wird erhitzt und mit gekonnten Hammerschlägen in die gewünschte Form geschmiedet. Auch die Zeit, in der Hammer und Amboss noch aus Stein waren, ist in Ouri noch lebendig.

 

Als Standort des Schmiedens ist Ouri vermutlich mehr als 500 Jahre alt. Im Umkreis  gibt es noch etwa 20 andere Dörfer, in denen verfallene Schmieden stehen. Die jungen Leute, die in Ouri das Schmieden lernen, gehen in diese Dörfer, um diese alten Schmieden wiederzubeleben. So wird selbst erworbenes Wissen weitergetragen. 

 

Metall ist ein wichtiger Rohstoff. Vieles, was bei uns in der Schrottpresse landet, kann ebenso gut weiter verwertet werden. In Ouri entstehen aus alten Lkw-Felgen Hacken und andere landwirtschaftliche Geräte.

Der Hammer mit zwei Köpfen

So entsteht, nach der Idee von Andreas Rimkus, der „Hammer mit zwei Köpfen“. Am Stielende des Hammers befinden sich zwei geschnitzte Menschenköpfe. Der eine schwarz, der andere weiß. In der Herstellung dieser Hämmer spiegelt sich die traditionelle Verbindung von Schmiede- und Schnitzkunst in der Region wieder. Der Hammer steht als ein mehrschichtiges Symbol – für die Verbindung von Paradé und Ouri, für die Weitergabe der Traditionen von Kopf zu Kopf, für die Verbindung von Afrika und Europa und vom Wissen und Können, auf derer Schultern unser Wohlstand aufgebaut wurde.

Erstes Symposium der Schmiede 2015

2015 fand in Ouri das erste Symposium der Schmiede- und Schnitzkunst statt. Dieses Symposium brachte die Wissenden und Könnenden aus einem Umkreis von ca. 100km zusammen. Auf diesem Symposium wurden nicht nur Netzwerke geknüpft, durch die Technologie und Know How  tradiert  werden. Es  geht darüber hinaus um die Erhaltung lebendiger Mythologien und Legenden, wie sie in den Liedern zum Ausdruck kommen, die beim Schmieden gesungen werden. Zudem ist heilkundliches Wissen um Feuer und Löschwasser wichtige Grundstoffe der Arbeit. Bräuche, soziale Praktiken, Rituale und Feste sind ein wesentlicher Bestandteil der Überlieferung von Traditionen und Ausdrucksformen – dieses immaterielle Kulturerbe war ein starker Aspekt des Symposiums.

Kontakt

KulturFeuerStiftung

Andreas Rimkus

Weg zur Kunst 2
31832 Springe
Deutschland
+49 (0) 5041-61655